No 126.
Versammlung am 8. Mai 1902 in der Wirtschaft Weishaupt.

Die Beteiligung an dieser Versammlung war sehr schwach. Der Vorsitzende begrüßt die Versammelten herzlichst, namentlich auch den Herrn Winterschuldirektor Wintgen, der sich zur Übernahme eines Referates in dieser Versammlung bereit erklärt hatte. Nach Verlesung des Protokolles findet die Rechnungsablage statt. Die Gesamteinnahme beträgt im verflossenen Jahre 188,22 M. Dem ausscheidenden Herrn Kassierer Müllenmeister, der 21 Jahre mit Umsicht und Pflichteifer sein Amt verwaltet hat, wird nach Prüfung durch zwei von der Versammlung vorgeschlagener Mitglieder mit Dank der Versammlung Entlastung erteilt.
Alsdann macht der Vorsitzende einige geschäftliche Mitteilungen,
a) daß die Bestellungen von Saathafer bei der Bezugsgenossenschaft wegen zu geringen Bestellungen nicht erfolgen konnten,
b) daß von der landwirtschaftlichen Winterschule eine Hederichspritze zur Vertilgung des Hederichs beschafft worden sei und zur unentgeltlichen Benutzung von dem Herrn Winterschuldirektor erbeten werden könne. Eisenvitriol zur Bespritzung werde ebenfalls dazu geliefert. Versuche, betreffend Vertilgung des Hederichs durch Bespritzen mit einer Eisenvitriollösung seien, wenn das Bespritzen richtig ausgeführt werde, sehr befriedigend ausgefallen. Vorsitzender geht dann näher auf die Fragen ein, und zwar
1) wann bespritzt werden solle,
a) nach Entwicklung des zweiten Blattes,
b) spätestens, wann der Hafer zu schossen begonnen hat,
c) nur bei trockenem Wetter und bei abgetrocknetem Zustand der Pflanzen, beispielsweise nicht des Morgens im Tau,
d) nicht bei starkem Winde, der die Wirkung des Spritzens beeinträchtige,
e) nicht wenn in Kürze, etwa 2 Stunden nach Bespritzen, Regen zu erwarten sei,
2) Wie die Lösung zubereitet werden müsse,
a) es müsse frisches Eisenvitriol sein, altes, weniger wirksames Vitriol sei mit einer bräunlichen Schicht überzogen,
b) auf einen Morgen zu bespritzender Fläche seien 15 – 17 kg Eisenvitriol nötig,
c) Bereitung der Lösung geschehe am besten in Holzfässern, erfordere einige Zeit und werde am besten einen Tag vor der Bespritzung vorbereitet,
d) für einen Morgen seien 100 – 120 l Flüssigkeit erforderlich.
3) Wie die Lösung verteilt würde,
a) es sei eine Hederichspritze erforderlich,
b) am besten habe sich die Syphonia-Spritze bewährt, welche die Lösung staubfrei verteile,
c) es empfehle sich, nur etwa halb so langsam, wie beim Säen zu gehen und das Feld auf jedesmal nur 1 m Breite zu durchschreiten,
d) bei sehr dichtem Stande des Hederichs sei die Verwendung der doppelten Flüssigkeitsmenge erforderlich, oder
e) noch besser sei es 3 – 4 Tage nach der ersten Bespritzung eine zweite folgen zu lassen. Dem Hafer schade die Wiederholung nicht. Unnötiges Hin- und Hertreten in dem Getreide sei vor der Bespritzung zu vermeiden, da die niedergetretenen Pflanzen stärker beschädigt würden,
f) Kleidung und Schuhzeug litten bei Bespritzung durch die Lösung, weshalb anzuraten sei, bei dieser Arbeit nicht das Beste anzuziehen.
Der Vorsitzende betont noch einmal, daß die Versuche kostenlos seien, aber möglichst unter Aufsicht des Herrn Winterschuldirektors ausgeführt werden müßten. Letzterer nahm diesbezügliche Anmeldungen entgegen und sei zu jeder weiteren Auskunft gerne bereit.
Der Vorsitzende macht bekannt, daß in verschiedenen Gemeinden des Kreises die sogenannte „englische Krankheit“ oder Rachitis unter dem Schweinebestande in fast epidemischer Weise ausgebrochen sei. Ein vorzügliches Mittel dagegen sei die Zugabe von phosphorsaurem Kalk und Leberthran im Futter.
Der Vorsitzende bemerkt ferner, daß gelegentlich der Düsseldorfer Ausstellung eine Tierschau stattfinde. Anmeldungen zu derselben von schwarzbuntem Vieh der Niederungsrasse nehme er bis zum 1. Juni entgegen.
Auch teilt er mit, daß die Dungstätten auf die Durchlässigkeit ihres Bodens und Art u Ort einer amtlichen Revision unterworfen werden sollten. Mindestforderung in sanitärer Hinsicht sei Undurchlässigkeit des Bodens.
Hieran schließt sich der Vortrag des Herrn Winterschuldirektors Wintgen über die Düngung mit Kalk und kalkhaltigen Stoffen im Verein mit Stalldünger. Redner weist nach, daß eine solche Düngung sehr fehlerhaft sei, weil ein großer Teil des Stickstoffes oder Amoniaks sich verflüchtige, also verloren sei. Die Versammlung folgte den sehr interessanten Versuchen mit Kalk und Thomasschlacke mit großer Aufmerksamkeit und belohnte den Referenten für seine eingehenden Beweise und seinen lehrreichen Vortrag mit einem dankbaren Bravo. Der Vorsitzende dankt hierauf dem Redner nochmals im Namen der Versammlung herzlichst, bittet bei der nächsten Versammlung um bessere Beteiligung, läßt den halbjährlichen Beitrag erheben und schließt hierauf die Versammlung.
                        a. u. s.
Der Vorsitzende:         Der Schriftführer
           Kleinen                             Pick