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Versammlung am 15. Sept. 1901 abends 7 Uhr im Saale der Wirthschaft Offermann.

Der Vorsitzende eröffnete die ziemlich gut besuchte Versammlung, indem er die Casinomitglieder begrüßt und darauf hinweist, daß mit der heutigen Sitzung die Winterarbeit im Casino wieder aufgenommen und er wie früher je nach Bedarf die Mitgliedern versammeln werde, um in gemeinsamer Thätigkeit an der Erreichung des Zieles, die Verbesserung der wirthschaftlichen Lage unserer Landwirthe, zu arbeiten. Es wird ein Rückblick geworfen auf das zu Ende gehende Wirthschaftsjahr und mit dankbarer Anerkennung gegen Gottes wohltätige Fürsorge der Zufriedenheit über das Wirthschaftsergebnis Ausdruck gegeben. Indem zur Tagesordnung übergegangen wird, macht der Vorsitzende zunächst folgende Mittheilungen und zwar zunächst, daß die Maul- und Klauenseuche endlich erloschen sei: Er hebt hervor, daß er mit den von der Seuche geschädigten Landwirth sehr mitempfunden habe und daß nichts ungeschehen geblieben sei, was dazu hat beitragen können, die sehr harten Maßregeln gegen Weiterverbreitung nach Möglichkeit zu lindern. Ferner wird mitgetheilt, daß die Beihülfen zu den Feldgrasanlagen, welche in diesem Frühjahr von den Landwirthen Imgenbroichs gemacht worden seien, bestimmt zugesagt wären und in allernächsten Zeit Seitens der hiesigen Gemeindekasse zur Auszahlung gelangen würden. Die Beihülfe beträgt im Ganzen 114,63 M, an denen 16 Landwirthe betheiligt sind. Sodann fordert der Vorsitzende dazu auf, der Verbesserung der Düngstättenanlagen größere Aufmerksam (Aufmerksamkeit) zu schenken. Für derartige Anlagen sind Seitens des Staates und der Provinz erhebliche Beihülfen in Aussicht gestellt worden. Wie eine vorschriftsmäßige Dungstätte beschaffen sein muß wird hierauf erläutert.
Bezüglich der Kreis-Schweineversicherung sieht sich der Vorsitzende veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß viele Landwirthe, mit der Zahlung der Versicherungsbeiträge im Rückstand sind. Sie sind in folge dessen aus der Versicherung ausgeschieden und erhalten keinerlei Entschädigung, wenn ihnen nun ein Schwein erkranke oder eingehe. In verschiedenen Fällen seien in letzter Zeit aus diesem Grund Anträge auf Entschädigung abgewiesen worden und es wird empfohlen, die Versicherungskosten einer Prüfung zu unterziehen und baldigst das Versäumte nachzuholen.
Seitens der Lokalabtheilung sei die Errichtung von drei Geflügelzuchtstationen im Kreise, und zwar eine dann in Imgenbroich an der landw. Schule, beschlossen. Veranlaßt hat zu dieser Einrichtung die Thätsache, daß jährlich im hiesigen Kreise eine Unmenge Hühner aus Italien oder Ungarn bezogen werden, die erfahrungsgemäß häufig die Ursache ansteckender Krankheiten, wie der Geflügelcholera, unter dem Geflügel sind. Im Weiteren soll, entsprechend der Absicht der Landwirthschaftskammer mit dazu beigetragen werden, daß nicht alljährlich große Summen für diesen Zweck, ins Ausland fließen, wo hier doch sehr wohl im Laufe der Zeit der Bedarf an Hühnern von jedem Landwirthen selbst gezogen werden kann. Auch die Abgabe von Bruteier und gutem Zuchtgeflügel, den Geflügelbestand zu verbessern und zu vermehren, soll die Aufgabe der Zuchtstation sein. Es sollen, nur Nutzrassen gezüchtet werden, wie Italiener als Legehühner, Minorka und Ramelsloher als Fleisch- und Legehühner. Das Zuchtgeflügel bezw. die Bruteier wird die hiesige Station, auf der zunächst zwei Stämme gehalten werden von der Centralgeflügelzucht- und Lehr-Anstalt der Landwirthschaftskammer zu Neuhs, deren Director demnächst in hiesiger Gegend, Vorträge halten wird, beziehen. –
Der Zusammenbruch vieler Banken und Kassen in der letzten Zeit hat die Spar- und Darlehnskasse veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß die Kreis-Spar- u. Darlehnskasse zu Montjoie durch die Staatsregierung als mündelsicher anerkannt ist, d. h. das Spareinlagen niemals den Gläubiger verloren gehen können. Es wird dies zur Kenntnis der Landwirthe gebracht und davor gewarnt, Gelder, größere oder Kleine Summen, nicht bei solchen Kassen zu hinterlegen, welche diese Sicherheit nicht zu bieten vermögen. Z. B. ist eine solche Kasse die Sparkasse des Aachener-Vereins zur Beförderung der Arbeitsamkeit.
Schließlich empfiehlt der Vorsitzende dringend, das Kraftfutterlager des Casinos häufig zu besuchen. Wenn auch augenblicklich eine Futternot im allgemeinen nicht zu besorgen sei, dürfe es sich doch empfehlen, mit dem Heu nicht zu verschwenderisch zu sein und immerfort Kraftfutter nebenher zu gebrauchen. Nährstand und Milchergiebigkeit des Rindviehes würden die Auslagen sicherlich aufwiegen, auf die Dauer zweifellos rentabel machen. Es werden sodann die Preise bekanntgemacht.
2. Aufnahme neuer Mitglieder.
Es wird zur Werbung neuer Mitglieder aufgefordert und bemerkt, daß Rückständigkeit mit der Zahlung des Beitrages ein Erlöschen der Mitgliedschaft unter Umständen zur Folge haben kann.
3. Es wurden 85 Centner Strohstreu und zwei Sack Superphosphat bestellt.
4. Es wurden 29 Stück ungarische Hühner und1 Hahn bestellt.
5. Hielt der Herr Kreisthierarzt Gutzeit, welcher auf Einladung des Herrn Vorsitzenden die Versammlung mit seinem Besuche beehrt hatte, einen Vortrag über das
„Eingehen zahlreicher Kälber und Maßregel zur Verhütung der Kälberlähme“.
Anknüpfend an die Thatsache, daß im verflossenen Frühjahr zahlreiche Kälber eingegangen sind, legt er in längerer und eingehender Ausführung dar, worauf diese Krankheit zurückzuführen ist und welche Mittel angewandt werden sollen, um ihr vorzubeugen. Seine Darlegungen waren die Begründung der Behauptung, daß die Krankheit der Knochenschwäche auf Mangel an phosphorsäure in den Knochen zurückzuführen sei. Dieser Mangel entstehe durch Futter, welches phosphorsäurearm sei. Anzunehmen sei, daß das Heu aus der Ernte 1900, welches im Anfange seines Wachstums sehr schnell gewachsen, im Sommer aber durch anhaltende Trockenheit an Phosphorsauren Bestandtheilen sehr viel verloren habe, verschulde, daß bei der Knochenbildung es an der erforderlichen Phosphorsäure gefehlt habe.
Die kranken Thiere solle man absondern von den gesunden und häufig das Euter säubern; sodann jungen und alten Thieren ein bis zwei Eßlöffel phosphorsauren Kalk zum Futter zugeben. Der Vorsitzende bemerkte hierzu, daß Kalk auf dem Casinolager zu haben sei zu 28 (?) (?=Zeichen mit der Bedeutung Pfg ?) pro Kilo.
Nachdem der Herr Kreisthierarzt den Mitgliedern einige Präparate mit Milzbrand, Tuberkelbazillen etc. unter dem Mikroscope gezeigt hatte, schloß er seinen Vortrag, für den der Vorsitzende ihm den gebührenden Dank der Versammlung aussprach.
6. Hebung der Pferdezucht.
Der Vorsitzende führte aus, daß hier zu Lande die wirthschaftlichen Vorbedingungen zum Betreiben der Pferdezucht gegeben seien; sie bestehen vornehmlich in dem Vorhandensein geschlossener Weiden in unmittelbarer Nähe der Gehöfte. Diese Zucht liege heute völlig darnieder und es bedenke der Bauer, der heute zum eigenen Betrieb ein Pferd halten müsse, daß er sich einen lohnenden Nebenerwerb bisher an hat verloren gehen lassen. Der Kreis Prüm, der wirthschaftlich für diesen Zweck viel ungünstiger gestellt ist, geht uns hirin mit gutem Beispiele voran und jährlich liefert er eine ganze Anzahl Pferde an Landwirthe unseres Kreises. Dem Einwand, daß das Risiko, dem die Stute ausgesetzt, zu groß sei und ein Mißerfolg die Erfolge vieler Jahre nicht deckten, sei damit zu begegnen, daß heute die Stuten versichert werden könnten und zwar für die geringe Prämie von 2 % des Werthes für die Zeit der Hauptgefahr und zwar für die Dauer von 4 Monaten. Um die Pferdezucht zu heben wird sodann den Pferdehaltern empfohlen, darauf Bedacht zu nehmen, bei Neuanschaffung eines Pferdes einer Stute den Vorzug zu geben und diese durch im k. Monat Februar in Reichenstein zur Aufstellung gelangenden Deckhengst decken zu lassen. Sodann wird Seitens des Vorsitzenden die Anschaffung einer Zuchtstute durch das Casino empfohlen und diesbezüglich Seitens der Versammlung Folgendes beschlossen:
„Das Casino ist nicht abgeneigt, eine Zuchtstute anzukaufen, wenn hierzu aus Mitteln der Lokalabtheilung genügend Beihülfe in Aussicht gestellt und sich ein geeigneter Pferdehalter bereit finde, die Stute unter den vom Casino gestellten Bedingung für eigene Rechnung und Gefahr zu übernehmen.“
7. Wurde auf die am 10. Oktob. c. stattfindende landw. Ausstellung in Conzen, die damit verbundene Prämierung von Vieh und Produkten aufmerksam gemacht und zur zahlreichen Beschickung der Ausstellung aufgefordert.
8. Zur Ausführung des Beschlusses vom 2. Juni 1901 bet. die Veranstaltung eines Herbstfestes unter den Casinomitgliedern bittet der Vorsitzende um Vorschläge über den Zeitpunkt der Veranstaltung. Es wird der 11. Novemb. c. festgesetzt und als Lokal der Offermann’sche Saal bestimmt. Hierauf schließt der Vorsitzende die Sitzung, nachdem er der Versammlung für die aufmerksame Theilnahme seine Anerkennung ausgesprochen hat.

Der Director:   Kleiner