No 115.
Versammlung bei Strauch am 12. März 1899.

Der Vorsitzende, Herr Direktor Wintgen eröffnet die rege besuchte Versammlung gegen 7 ½ Uhr und macht zunächst einige geschäftliche Mitteilungen. Alsdann nimmt derselbe zu Punkt 1 der Tagesordnung – Besprechung über die Zweckmäßigkeit und Anwendung von Melkröhrchen bei Euterentzündungen – das Wort. Redner hebt zunächst die Zweckmäßigkeit derselben hervor, empfiehlt die Anwendung dieser mechanischen Melkvorrichtung aber nur bei Euterentzündungen oder auch in solchen außergewöhnlichen Fällen, bei welchen dem zu melkenden Vieh erhebliche Belästigungen durch das Handmelken zugefügt werden müßten. Keinesfalls sollte diese Vorrichtung das Handmelken in Wegfall bringen. Häufig gebraucht, wirkten die Melkröhrchen schädlich. Dieselben sollen beim Gebrauch so weit in die Zitzen hineingeschoben werden, bis die Milch von selbst herausfließt. Bei Anwendung der Milchröhrchen fließt die Milch rein aus dem Strich und dem zu melkenden Vieh werden bei der Prozedur des Melkens erheblich geringere Schmerzen bereitet, als dies beim Handmelken der Fall ist.
Die Versammlung lehnte es ab, auf Kosten des Kasinos mehrere Melkröhrchen anzuschaffen und überließ die Beschaffung derselben jedem Mitgliede auf eigene Kosten.
Bei Punkt 2 der Tagesordnung: Besprechung über Anlage von Wiesen – betont der Vorsitzende, daß man bei Wiesen- und Weidenanlagen besonders auf eine gute Kleegrasmischung Bedacht nehmen müsse, und zwar sollen zunächst Unter- und Obergräser in richtigem Verhältnis zueinander stehen. Empfehlenswert seien folgende Klee- und Grassamen zu einer Mischung:
            Engliches Raygras
            Kammgras,
            Thimothengras,
            Wiesenfuchsschwanz,
Schwedischer Klee,
Rotklee und Weißklee.
Als Düngungsmittel benütze man am besten bei Wiesen Thomasschlacke und Kainit, weil sie die nötige Menge Phosphorsäure und Kali in den Boden bringen. Gleichzeitig mit dem Düngen habe ein tüchtiges Eggen zu geschehen, um das Moos zu vertilgen und Luft in den Boden zu bringen. Saure Wiesen müßten häufiger mit Kalk gedüngt werden.
Punkt 3 der Tagesordnung: Besprechung über Kartoffelbau.
Redner empfiehlt, die Kartoffeln nicht zu früh zu pflanzen, weil dieselben in hiesiger Gegend meist noch durch Spätfröste leiden; auch zerstöre die große Feuchtigkeit des Bodens die eingelegten Kartoffeln oft durch Fäulnis. Sehr zu empfehlen sei es, die Kartoffeln mit dem Spaten zu pflanzen, weil dann die Knollen gleichmäßig in den Boden kämen und daher gleichmäßiger keimten. Bei zu früher Saat nehme auch gewöhnlich das Unkraut überhand. Zur Düngung eigne sich Stallmist vorzüglich.
Herr Hauseur empfiehlt ebenfalls die Düngung mit Stallmist sehr und erwähnt noch, daß er bei dieser Düngung und nicht zu früher Aussaat stets die höchsten Erträge erzielt habe.
An den Vortrag schloß sich noch eine kurze Debatte an, nach welcher der Vorsitzende die Versammlung schloß.

                      a.    u.    s.
         Der Schriftführer.
   Wintgen                         Pick.