No 114.
Stiftungsfest abgehalten am 22. Januaar 1899 im hiesigen Kasinosaale.

Der Vorsitzende, Herr Direktor Wintgen, eröffnete die Feier mit einer Begrüßung der außerordentlich zahlreich erschienenen Kasinomitglieder u. ihrer Familien. Er drückt seine herzliche Freude über ihr Erscheinen aus, welches ihm den bestimmten Beweis liefert, daß ihr Interesse für das landwirtschaftliche Kasino und dessen Ziele nicht erkaltet sei. Redner hofft, auch in Zukunft stets eine so stattliche Zahl der Mitglieder versammelt zu sehen. Nur dann könne das landwirtschaftliche Kasino fortbestehen, wenn der enge Zusammenschluß der einzelnen Mitglieder gewahrt bleibe. Der Eine müsse hier dem Andern helfen. Was der Einzelne nicht erreichen könne, leiste die Gesamtheit.
Nach einem freudigen Hoch auf das fernere Wachsen, Blühen und Gedeihen des landw. Kasinos geht der Vorsitzende gleich zum 1. Punkte der Tagesordnung über: Zahlung des Beitrages. Nach Erledigung desselben nimmt der Vorsitzende zu Punkt 2 der Tagesordnung – Nochmalige Besprechung über die Bedeutung der Schweinezucht im Kreise Monschau – das Wort. Redner weist zunächst darauf hin, daß er bereits in der letzten Sitzung auf die Wichtigkeit dieses Vereines und seine Bestrebungen für die hiesige Landwirtschaft aufmerksam gemacht habe, es heute aber nochmals für nötig erachte, die Aufmerksamkeit auf die Förderung und Hebung dieses Verbandes zu lenken. Das gute Beispiel unseres Nachbarkreises Malmedy diene unserem Heimatkreise hier zum Muster und Vorbild, indem derselbe uns meist unsere jungen Schweine liefere. Daß durch den Transport aber die zarten, jungen Tiere leiden und selbige durch den Wechsel in der Fütterung auch in der Entwicklung sehr beeinträchtigt würden, sei unschwer, einzusehen.
Diesem Übelstande könne nur dadurch abgeholfen werden, daß wir die Schweine selbst ziehen. Allerdings gelte es hier erst, noch manche Vorurteile vieler Leute zu besiegen. Seien diese erst beseitigt, so würde die Erfahrung schon zeigen, wie durch die besser und zweckmäßiger gehandhabte Schweinezucht ganz besonders für unsere Gegend eine sichere und reichliche Einnahmequelle eröffnet würde. Überproduktion von Schweinen sei noch lange nicht zu befürchten; man brauche nur die diesbezüglichen statistischen Angaben größerer Zeitungen zu sehen, und man staune, wieviel Schweinefleisch alljährlich aus dem Auslande in unser Land eingeführt werden müßte und welch eminente Summen Geldes dadurch aus dem Lande hinaus geschleppt würden.
Auch den Einwand – die Schweinezucht eigne sich nur für den Großgrundbesitzer und sei nur im Großen betrieben rentabel – weist der Redner als durchaus unrichtig zurück, zeigt dagegen, wie gerade im Gegenteil der Besitzer eines kleinern Anwesens viel eher imstande sei, die Schweinezucht mit Erfolg und Gewinn zu betreiben. Für den Großgrundbesitzer eigne sich weit vorteilhafter eine ausgedehnte Rindviehzucht. Auch sei gerade unsere Gegend ihres blühenden Molkereiwesens wegen weit besser imstande, Schweinezucht zu betreiben als der Kreis Malmedy. Man müsse nur mit Mut an die Sache herangehen.
Der Kreis Montjoie weise zudem noch einige Leute auf, die Schweinezucht betreiben, und sich nach eigener Aussage recht gut dabei ständen. Hätten andere Züchter Unglück in derselben zu verzeichnen und Verluste erlitten, so sei der Grund hierfür in der mangelhaften Handhabung resp. Einrichtung der Stallungen zu sehen. Die Schweinezucht erfordere allerdings auch Geschick und Übung.
Redner erklärt, beauftragt zu sein, Mitglieder für den neuen Verein aufzunehmen. Beitrag derselben pro Jahr betrage 1 M; wer mehr geben wolle, könne mehr geben. Läßt eine Liste zirkulieren und spornt die Zuhörer an, durch Beitritt die das Allgemeinwohl fördernde Sache zu unterstützen, schildert das rege Interesse einzelner Personen für die Sache – eine, nicht einmal ein Landwirt, habe 100 M gespendet; in den Nachbarorten seien schon sehr viele Personen beigetreten. Ebenfalls seien sämtliche l. Kasinos beigetreten, hofft, daß auch das l. K. zu Imgenbroich nicht zurückstehen werde. Jahresbeitrag der l. K. sei verschieden; er stellt den Antrag, das l. K. Imgenbroich solle mit einem Jahresbeitrag von 10 M beitreten, läßt über diesen Antrag abstimmen.
Herr Paul Knein ist der Ansicht, daß die geschilderte Sache wohl nicht so förderlich sei. Redner bezweifelt die angeführten Vorteile und meint, daß auch im Kreise Montjoie die Preise für junge Schweine so niedrig würden, wie im Kreise Malmedy, wenn die Schweinezucht in solch hohem Maßstab betrieben würde. Er glaubt auch, die Rindviehzucht würde dadurch leiden; denn meistens würden die Leute von der für das Rindvieh bestimmten Futtermenge auch noch eine Anzahl Schweine mitleben lassen. Im Kreise Malmedy sei dies ja thätsächlich der Fall; bittet auch den Herrn Vorredner, Aufschluß zu geben, was denn eigentlich mit dem gesammelten Gelde gemacht würde. Das l. Kasino müsse doch erst Gewißheit haben, was mit den Summen geleistet würde, ehe es einen Beitrag bewilligen könne.
Herr Direktor W. bemerkt hierzu zunächst, daß es durchaus nicht im Interesse des Schweinezuchtvereins liege, eine Massenzucht zu betreiben; derselbe wolle durchaus nicht, daß sämtliche Landwirte Schweinezucht betreiben sondern nur einzelne, und das vonseiten des Vereins zunächst nur erstrebt würde, den eigenen Bedarf von Schweinen zu ziehen. Entstände später Überproduktion an Schweinen, so könnten eben Märkte abgehalten werden. Vorläufig sei aber hieran noch nicht zu denken. Geld sei noch viel zu wenig da, wenn der Verein seine gesteckten Ziele erreichen solle. Dasselbe wird verwandt zum Ankauf von geeignetem Zuchtmaterial, reinrassiger Eber und Muttertiere, zur Anlage richtiger und zweckensprechender Stallungen, Prämierung der Landwirte, die selbst richtige Stallungen angelegt, Prämierung schöner Zuchttiere. Das l. K. verpflichtet sich hierauf zum Beitrag von zehn Mark zu dem angegebenen Zwecke.
Zu Punkt 4 der Tagesordnung – Bestellung von Saatkorffeln (soll sicher Saatkartoffeln heißen) und Hafer – bemerkt Herr Dir. W., daß es für die hiesigen Verhältnisse sehr zu empfehlen sei, Fichtelgebirgshafer zur Aussaat zu wählen. Ein Versuch mit dieser Haferart auf dem Versuchsfelde in Rötgen habe erwiesen, daß dieselbe 14 Tage früher zur Reife gelange als hiesiger Hafer, ein Umstand, der bei unsern weniger günstigen klimatischen Verhältnissen wohl in Betracht gezogen werden müsse. Herr Direktor selbst und Herr Rendant Thomae seien erbötig, Bestellungen von Saatkartoffeln u. Hafer, wie auch von Kunstdünger für die Frühjahrssaat entgegenzunehmen. Er bittet, mit der Bestellung nicht zu zögern, sondern pünktlich zu bestellen.
An die Abwicklung genannter Punkte knüpfte sich die Verlosung der angekauften, meist der Haushaltung dienlicher Gegenstände. Die sich daran anschließende gemütliche Unterhaltung, welche außerordentlich lebhaft verlief, fesselte die Anwesenden noch um mehrere Stunden zu traulichem Beisammensein.

                    a.   u.   s.
Der Vorsitzende,       Der Schriftführer.
   Wintgen                         Pick