No. 104
Versammlung bei Strauch am 6. Dezember 1896.

Der Vorsitzende, Direktor Wintgen, eröffnet die rege besuchte Versammlung gegen 7 ½ Uhr und machte zunächst einige geschäftliche Mitteilungen. Wegen seiner militärischen Dienstleistung habe leider sehr lange keine Sitzung stattgefunden, jedoch hoffe er, daß im laufenden Winter regelmäßig monatlich eine solche abgehalten werden könne. – Alsdann macht derselbe bekannt, daß Bestellungen auf Saatkartoffeln schon jetzt entgegengenommen würden.
Zu Punkt 2 der Tagesordnung – Unterbringung der dem Casino gehörigen Geräte und Maschinen – nimmt der Vorsitzende das Wort. Er ist der Ansicht, daß der Trieur zur Zeit einen recht unwürdigen Platz habe, zumal keine Aufsicht vorhanden sei. Er schlägt deshalb vor, denselben an einer anderen Stelle unterzubringen, und ist die Versammlung mit diesem Vorschlage einverstanden. Herr Jos. Hauseur ist bereit, den Trieur an seinem Hause unterzubringen gegen einen jährlichen Entgelt 10 Mk. Die Aufsicht beim Reinigen übernimmt ebenfalls Herr Hauseur und erhält er dafür 12 Pfg. vom Ltr., wovon er 2 Pfg. an die Kasse des Casinos abgeben muß.
Die Walzen, welche nach Mitteilung des Vorsitzenden unter freiem Himmel liegen, sollen in die alte Fabrik von Antoni gebracht werden.
Punkt 3 der Tagesordnung:
Besprechung über das nächste Stiftungsfest. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob die Versammlung wünsche, daß das Fest in der bisherigen Weise gefeiert werden solle, macht Herr Müllenmeister den Vorschlag, dasselbe in etwa einzuschränken, insofern als bei der Verlosung nicht soviel Geld verausgabt werden solle. Ein Teil der Versammelten erklärt sich damit nicht einverstanden, worauf der Vorsitzende seine Ansicht mitteilt. Es sei doch vielleicht zu überlegen, ob es für das Casino nicht zweckmäßiger sei, das Fest einfacher zu gestalten, damit unser landw. Casino nicht zu einer Vergnügungsgesellschaft sich gestalten würde. Andere Casinos schaffen von den jährl. Beiträgen nützliche Geräte und Maschinen an, die der einzelne Mann wohl schwer sich kaufen könne, unser Casino ist dagegen nicht mehr in der Lage eine Anschaffung zu machen. Herr Paul Knein schlägt vor, nur die Hälfte der Mitglieder gewinnen zu lassen, jedoch wird auch dieser Vorschlag abgelehnt. Das Fest soll genau in derselben Weise stattfinden, wie in den Vorjahren. Das Casino gibt 80 Mk. für Auslagen.
In die Kommission zum Ankauf der Gewinne wurden gewählt die Herren: P. Knein, Hub. Mathie u. Jos. Neuhs. Die Vergnügungskommission bilden die Herren : Theissen und M. Scheuer. Für die Entrékontrolle wurden bestimmt die Herren: Hub. Mathie u. Jos. Neuhs. Nichtmitglieder haben bei einem Eintrittsgeld von 2 Mk. Zutritt.
Das Fest soll am Sonntag, den 17. Januar 1897, abends 6 Uhr beginnend, im Lokale des Wirtes Offermann stattfinden.
Die Musik soll von einer Harmonika ausgeführt werden.
Punkt 4 der Tagesordnung: Neuwahl des Vorstandes.
Herr Schnitzler macht den Vorschlag, den bisherigen Vorstand wieder zu wählen; die Versammlung erklärt sich einverstanden. An Stelle des bisherigen Schriftführers, Herrn Honold, wird Herr Wilh. Schreiber gewählt.
Der Vorstand setzt sich also folgendermaßen zusammen:
1) Direktor Wintgen Vorsitzender;
2) Paul Knein, stellvertr. Vorsitzender;
3) J. P. Müllenmeister, Kassierer;
4) W. Schreiber, Schriftführer.
Punkt 5 der Tagesordnung: Vortrag des Vorsitzenden über Frühjahrsbestellung.
Nachdem der Vorsitzende zunächst im allgemeinen auf die Arbeiten, welche im Frühjahr vorgenommen werden, hingewiesen hatte, ging er über zur Bestellung der einzelnen Saaten im Frühjahr: Hafer, Kartoffeln und Kleegras.
Redner besprach die Vorbereitung des Bodens, Düngung, Auswahl des Saatgutes, Samenwechsel etc.
Im allgemeinen sei es zweckmäßig, den Stalldünger bereits im Herbst auf den Acker zu bringen, damit derselbe sich im Winter teilweise zersetzen könne. Für den Hafer empfahl Redner besonders den Chilisalpeter, derselbe bereichere die Haferkörner an Eiweisstoffen; der Chilisalpeter sei am zweckmäßigsten als Kopfdünger auszustreuen.
Für die Kartoffeln wurde als Kunstdünger Superphosphat empfohlen.
Was die Düngung von Klee anbetrifft, so ist hier besonders darauf zu achten, daß die nötige Menge Phosphorsäure und Kali im Boden enthalten ist. Diese beiden Nährstoffe sind am besten in Form von Thomasschlacke und Kainit zu geben.
Dasselbe gilt für die Wiesen und Weiden. Gleichzeitig mit dem Düngen hat ein tüchtiges Eggen zu geschehen, um das Moos zu vertilgen und Luft in den Boden zu bringen. Saure Wiesen müssen häufiger Kalk erhalten.
An den Vortrag schloß sich eine kurze Debatte an, in welcher besonders Herr Bürgermeister Kremer den Anwesenden recht warm ans Herz legte, sich den Neuerungen anzuschließen, besonders auch auf dem Gebiete des Düngewesens.

             v.             g.               u.
Der Vorsitzende           Der Schriftführer
   Wintgen