Nr. 83
abgehalten den 12. März 1893 in der Wirtschaft Strauch.

I.   Geschäftliches
a.) Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung und stellte den Antrag, auch in dsem Jahre weiter Kartoffelsorten, gezüchtet von der landwirtschftl. Winterschule, zu verlosen. Der Antrag wird angenommen. 5 Sorten, von jeder 3 – 4 ctr. würden zur Verfügung gestellt.

  1. ) Blaue Riese – ist eine Futterkartoffel und giebt ungeheure Erträge;
  2. ) Bismark – Eßkartoffel & ungeheure Erträge , schorfig;
  3. ) Maiblume – früh, gute Eßkartoffel, zu fein für hier.
    Der Vorsitzende hatte auf der landwirtschftl. Ausstellung zu St. Vith Maiblumen ausgestellt. Damit keine gekauft würden, setzte er den ctr. auf 8 Mark und hat trotzdem 3 ctr. bestellt. (Anstelle „bestellt“ stand ursprünglich „abgegeben“; nach der Berichtigung müsste es m.E. sinngemäß heißen: ...und es wurden trotzdem 3 ctr. bestellt.)
  4. ) Andersen – späte Sorte, nicht zu empfehlen;
  5. ) Carly Sunrise.

Es wird dem Vorstande überlassen aus den Sorten: 1, 2, 3 & 5 die Pfund-Höhe & Preise der einzelnen Lose zu bestimmen. Die Verlosung findet anfangs April statt.
b.) Der Vorsitzende bat, die Casino-Geräte doch mehr schonen zu wollen. Der Trieur (Trommelsieb zum Reinigen von Getreide) sei gut erhalten, die Ackergeräte dagegen seien defekt.
c.) Hinweis des Vorsitzenden auf gemeinschftl. Bestellungen. Chilisalpeter ist für den Garten vorzüglich. Zahlreiche Bestellungen wurden sofort entgegengenommen.

II. Vortrag über Arbeiten in Garten, Wiese und Feld.
1. Garten
– tief graben – 20 – 25 cm; die Vorteile sind augenfällig.
2. Säen
– in Reihen, nicht breitwürfig, bei ersterm kann die Hacke dazwischen gebraucht werden, die Pflanzen haben mehr Platz, Austrocknen des Bodens nicht so stark: Säen in Reihen ist bei allen Kulturpflanzen zu empfehlen.
3. Chil
i – jede Pflanze soll rasch wachsen, sonst holzig, also treiben, das thut Chilisalpeter, sorgt für Blätterentwicklung also auch für Wachstum, nicht zu viel, verbrennen, oft und in kleinen Mengen bei Regen im Felde – 1 preuß. Morgen 25 Pfund Chili, Bodenfehler hebt der Chili nicht auf, wirkt nur günstig bei gesunden Bodenverhältnissen.
4. Frühjahrsarbeiten im Felde
: Samen auf der rauhen Furche ist verkehrt, ungleich tiefe Lage der Körner, zuerst abeggen, dann kein Nachschuß, Rost in feuchten Klimen, Rost befällt sogar die Wiesen, auf eingeschlossene Grundstücke kein Getreide, gegen Rost gute Kultur, rationelle und sorgsame Kultur läßt keinen Rost aufkommen, Ministerium durch eingezogene Erkundigungen bestätigt.
5. Kartoffelsaatgut
. Eigentlich große Knollen, Vollkommenes erzeugt Vollkommenes, doch Saatgut aus mittelgroßen Knollen, durchschneiden 14 Tage – 3 Wochen vor dem Stechen, auf die Schnittseite legen, keine Pilze.
6. Wiesenpflege
. Die Wiesen mehr eggen, Pflege in der Schweiz ist rationell, dort nach jeder Ernte eggen und düngen.
7. Wiesenbewässern. Im Frühjahr das schmutzige Straßenwasser auf die Wiesen leiten, das Wasser sorgt für Kanäle, Luft, Bewässern bis 14 Tage od. 3 Wochen vor der Ernte.
Im Anschlusse hieran erbat Bürgermstr. Hahn das Wort zu einigen Ausführungen über die Säemaschine; er ersuchte den Vorsitzenden, sich zu äußern, ob eine solche Maschine hierorts nicht von Nutzen sein würde.
Der Vorsitzende beantwortete zuerst die Rentabilitätsfrage einer solchen Maschine. Bei 40 Morgen bezahlt sie sich in 2 Jahren; aber hierorts haben die meisten Landwirte keine eigene Zugkraft, deshalb sei der Gebrauch viel zu teuer. Jetzt leiste ein einzelner Mann täglich im Säen soviel, als 2 Pferde & 3 Mann. Die Vorteile sind folgende: das Stück läßt sich behacken, man erspart 1/3 Saatgut & die Saat geht gleichmäßig auf.

III. Allgemeine Diskussion
a. Die nächste Sitzung findet anfangs April beim Wirte Offermann statt.
b. Der Vorsitzende bat sodann die Mitglieder, ihm, zu dem in Kürze abgehalten werdenden Obstbaukursus zu praktischen Arbeiten Gärten zur Verfügung zu stellen; das geschah..
c. Bürgermstr. Hahn berichtigte sodann ein verkehrtes Gerücht, die Molkereianlage betreffend.
d. Aus der hiesigen Baumschule werden verschiedene Birn- & Apfelspaliere abgegeben.
e. Bürgermstr. Hahn beantragt einen Beschluß, ob die Kreis-Baumschule, derzeit in Simmerath, nicht besser in Imgenbroich sich befände. Das Casino faßt daraufhin folgenden Beschluß: „Das Casino Imgenbroich hält es im Interesse des Obstbaues von großer Bedeutung, wenn in Imgenbroich bezw. Menzerath in Verbindung mit der landwirtschftl. Schule ein Grundstück als Baumschule eingerichtet würde und beauftragt den Casino-Vorstand dieser Angelegenheit näher zu treten und den maßgebenden Behörden die Förderung dieses Unternehmens zu empfehlen.“
Hierauf schloß der Vorsitzende die Sitzung.

          a.        u.        s. 
Der Vorsitzende,   der Schriftführer,
Dettinger               Honold.