No. 74.
Verhandelt, den 20.Dez. 1891 im hiesigen Casinosaale.

I.   Geschäftliches
a. Das diesjährige Stiftungsfest des landwirtschftl. Casinos soll am 21. Januar a.c.in der Wirtschaft Hauseur stattfinden. Wie im Vorjahr wird eine Verlosung landwirtschftl. Gegenstände hiermit verbunden. Zu Ankäufer dieser Sachen wurden gewählt: P. Mathie, K Stollenwerk und P. Knein. Die weitere Arrangierung des Festes wurde übertragen: Bürgermstr. Hahn, Honold und Widdauer. Vortragsthema soll sein: Über Molkereigenossenschaften.
b. Der M. Scheuer, der in dsem Jahre seine Versuche mit Alpfrühhafer fortsetzen will, wurde inbetreff des Saatgutes an Bgrmstr. Hahn verwiesen.
c. Der Vorsitzende machte bekannt, daß bei Bestellung größerer Posten Kraftfutter die Bezugskommission hierfür sorgen werde.

II.   Vortrag des Vorsitzenden.
Winterfütterung.
Die Disposition hierzu:
1. Gute Fütterung – rentabelsten,
2. jedes Tier zuerst Erhaltungsfutter, dann erst Nutzen,
3. daher jede schlechte Fütterung unrentabel,
4. Kohlenhydrate,
5. Fett und Eiweiß,
6. deren Bedeutung. Diese Stoffe müssen in einem bestimmten Nährstoffverhältnis gegeben werden, je nachdem die Tiere benutzt werden, ob Milch, Mast oder Zugdienst verlangt werden, - nötige Menge Trockensubstanz.
7. Normen von Wolff für verschiedene Zwecke der Fütterung . Angaben pro 100 Pfund l. (lebend?) Gewicht.
8. Aus Heu, Stroh, Rüben läßt sich ein solches Verhältnis nicht herstellen, daher Kraftfutter,
9. ist billig und gedeihlich,
10. kleine praktische F. Versuche,
11. für Milchvieh, Palmkernkuchen, Cokoskuchen, Baumwollkuchen,
12. für Schweine Gersten- & Reismehl
13. für Jungvieh, Kleien.
14. Milchkühe auch Leinmehl wegen des großen Fettgehaltes, Hinweis auf den Krs. Eupen.
15. Trocken geben.
Der andächtig aufgenommene Vortrag rief eine sehr lebhafte Diskussion hervor. Viele haben kein Vertrauen zum Kraftfutter, der Ankauf fällt ihnen auch schwer. Der Vorsitzende berechnet, daß eine Milchkuh nach seiner angeführten Fütterungsmethode hierorts rund 70 Pfg. pro Tag kosten werden. Diese Auslage müsse durch den Ertrag reichlich ersetzt werden, es sei eine Schande, daß Händler hier die Butter zu 90 Pfg. aufkauften. Bei einem gemeinsamen Molkereiverfahren sind (seien??) die Butterpreise stets über 1 M, jedes Mitglied erhält monatlich sein Geld und ist somit imstande, ohne Mühe Kraftfutter anzuschaffen. Er empfahl auch Ankauf von Rübenschnitzeln, die ja sehr leicht und billig aus Düren zu beziehen seien.

III. Allgemeine Diskussion.
Ein Antrag, die Streuselpachtung von Neujahr bis Neujahr, statt, wie bisher, von Juli bis Juli zu gestatten, wurde abgelehnt.

         a.        u.        s. 
Der Vorsitzende,   der Schriftführer,
Dettinger               Honold.