No. 69.
Verhandelt, den 22. Februar 1891 im hiesigen Casinosaale.

In Abwesenheit des Vorsitzenden, der, verhindert, eine Stunde später erschien, eröffnete der stellvertr. Vorsitzende die Versammlung.
I.   Er teilte den Mitgliedern mit, daß die, ihnen von der landwirtschftl. Winterschule hierselbst zur Verfügung gestellten, Saatkartoffeln im Laufe des k. (kommenden?) Monates vom Vorstande besorgt würden.
II.   Hierauf hielt Lehrer Honold einen Vortrag über: Pflege älterer Ostbäume, die schon Früchte tragen. Die Disposition hierzu war folgende:
1.) Ausputzen der Krone, Wasserschossen,
2.) Verjüngen, verwahrloste Bäume, Stutzen fruchtbeladener Bäume,
3.) Umpfropfen, Arten, Zeit, Horte.
4.) Auflockern, Wurzel = 3 Stammschosse, Rauhe Rinde
5.) Baum- & Obstschutz.
Letzteres wurde nur kurz erörtert. Der Vortragende, schon mehrere Jahre hierselbst in der Obstzucht praktisch thätig, berücksichtigte ganz besonders die hiesigen Verhältnisse und die Gewohnheiten der Obstbaumbesitzer, inbezug auf die Arbeiten an ihren Bäumen. Die Versammlung dankte dem Vortragenden für seine Ausführungen und wünschte allseitig, Punkt 5 des Vortrages, Baum- & Obstzucht zum Thema eines neuen Vortrages.

III. Die nächste Versammlung wurde auf den 22. März festgesetzt.
IV. Allgemeine Diskussion.
a. Ein Mitglied, Herr Strauch, erwähnte die Schafzucht, die im hiesigen Orte gänzlich eingegangen sei. Er fragte an, ob die Anschaffung einer gemeinsamen Herde nicht nutzbringend, sogar notwendig werde? Interessenten fand dieser Vorschlag. Imgenbroich hat aber keinen gemeinsamen Veen-Weidgang (Venn-Weidgang). Zur reiferen Überlegung wurde der Antrag bis zur nächsten Sitzung zurückgestellt.
b. Ein anderes Mitglied, Herr Hauseur, bat, der armen Leute etwas mehr zu gedenken. Er beantragte, die hiesige Ziegenzucht zu verbessern, Garten- und Feldbau sowie Rindviehzucht sei schon sehr gebessert, aber unsere Ziegen seien sicher noch Adams-Ziegen. Ein Bravo! für seinen Antrag zeigte, wie sehr die Versammlung hierauf einging. So entspann sich eine lebhafte Debatte. Her Bürgermeister Hahn führte aus, daß die Ziege die Kuh des armen Mannes sei; er, als Vorsteher der Gemeinde, werde sorgen, daß diese, da hier doch viele Ziegen seien, etwas thun werde und meinte, man könne im nächsten Jahre einige Mutterziegen und einen Bock kommen lassen.
Der Vorsitzende, Herr Direktor Dettinger beantragte einen Schweizer-Ziegenbock sofort zu bestellen und ev. im nächsten Jahre einige Mutter-Ziegen. Er beantragte weiter, daß das Casino hierzu 10 M. und die Gemeindevertretung den Rest hergeben möge. Einen Bockhalter werde er am k.Tage suchen.
Der Vorstand beschließt für den Restbetrag sofort einen Antrag an die Gemeindevertretung zu machen. Die Versammlung ist damit einverstanden.

c.) Die Centrifuge wurde in Erinnerung gebracht. Herr Bgstr. Hahn bemerkte hierauf, daß die Localabteilung hierüber noch beschließen werde, und daß im Mai eine Centrifuge zur Ansicht und zum Probieren hierhin gebracht werde.
d.) Ein Mitglied beantragte die Anschaffung einer Viehwage, damit motivierend, daß hier fast alles Vieh auf „lebend Gewicht“ verkauft werde und ohne Wage vielfach Täuschungen zum Nachteil des Verkäufers vorkämen. Herr Direktor Dettinger besprach kurz die Vorteile einer Viehwage. Herr Bgmstr. Hahn hielt die Anschaffung einer solchen Wage für sehr wesentlich, man könne sogar dadurch die beste Fütterung konstatieren. Es wurde beschlossen, vonseiten des Casinos einen 2. Antrag an die Gemeinde-Vertretung zu stellen, eine Viehwage auf Kosten der Gemeinde anzuschaffen. Hierauf wurde die Versammlung geschlossen. Es herrschte nur eine Stimme: Der Abend sei sehr lehrreich gewesen.

         a.       u.       s. 
Der Vorsitzende,   der Schriftführer,
Dettinger               Honold.