No. 67
Verhandelt, 7. Dezember 1890 in der Wirtschaft Weishaupt.

I.   Der Vorsitzende teilte den Mitgliedern mit, daß die, ihnen von der hiesigen landwirtschaftl. Winterschule zur Verfügung gestellten, Saatkartoffeln bis zum Frühjahre aufbewahrt und dann verteilt würden.
II.   Der Vorsitzende hielt hierauf seinen Vortrag über: „Kartoffelkrankheiten und zweckmäßige Aufbewahrung der Kartoffeln“. Die Disposition hierzu war folgende:
Eigentliche Krankheit,
Trockene Fäule,
Warzigwerden,
Schorfigwerden,
Kreuselkrankheit,
Kindelbildung & Durchwachs.
Mittel gegen die eigentliche Krankheit:
  1.) Gesunde Knollen,
  2.) Gute Aufbewahrung,
  3.) Gute Sorten,
  4.) Schneiden des krautes,
  5.) Boden,
  6.) Anbauarten, (Gulich und Jensen)
  7.) Düngung,
  8.) Chemische Mittel, (Quecksilbersublimat)
  9.) Saatzeit,
10.) Große Knollen erkranken leichter
11.) Tief Unterbringen,
12.) Aus Keimen gezogene Knollen wiederstandsfähig
13) Saatwechsel
Trockenfäule
Schlechte Aufbewahrung,
Pocken & Warzenbildung
Ursache ungeeigneter Düngung, Witterung,
Schorf-Nüsse, Kreuselkrankheit,
Temperaturwechsel.

Dem Vortragenden wurde für seine klare Behandlung des Themas allseitiger Dank abgestattet. In der hierzu folgenden allgemeinen Besprechung beklagten sich die meisten Mitglieder über den von der Wühlmaus angerichteten Schaden. Herr Direktor gab ihnen folgendes Mittel zur Vertilgung der Wühlmaus an. Diese Mäuse gehen nicht leicht in Fallen. Am besten nehme man Schnitten von roten Möhren und bestreiche sie mit Phosphorteig. Dies soll aber im Freien und womöglich in Handschuhen geschehen, denn diese Mäuse fliehen den Geruch der Hände, des Menschen überhaupt. Die präp. Schnitten müssen in einen frischen und trockenen Gang hineingelegt werden.
Herr Pastor Lefils erbat sich um das Wort zu einigen Bemerkungen inbezug auf den gehörten Vortrag. Von vorneherein bemerkte er, daß er aus Erfahrung spreche, weil er Jahre lang Versuche angestellt habe. Blauaugen eigneten sich nicht für die hiesige Gegend, weil sie ein Herd der Krankheiten seien. Ferner sei das Züchten aus Samen hier ebenfalls nicht geeignet, weil der Samen hier nicht reif würde und der Boden zu naß sei, höchsten empfehle sich Samen aus trockenen Gegenden.
III.
Es wurde beschlossen, im k. (kommenden?) Januar ein Stiftungsfest mit Verlosung in der Wirtschaft Offermann abzuhalten. Zum Ankauf von Verlosungssachen wurden circa 60 M bewilligt. Zu Ankaufen der Sachen und Arangierern des Festes wurden gewählt die Herrn: P. Knein, Widdauer, P. Mathie und K. Stollenwerk. Als Vortragsthema für diese Sitzung wurde gewünscht: Kälberaufzucht und Centrifugalverfahren. Herr Bürgerm. Hahn erbat vom Vorsitzenden über das Centrifugalverfahren ein kurze Aufklärung; er finde sie bei Anwesenheit der Frauen in dieser Sitzung sehr angebracht. Kurz besprach er sodann die Rentabilität einer Centrifuge, beweisend mit Ergebnissen aus anderen Kreisen, in denen Centrifugen benutzt würden.
Herr Pastor Lefils sprach sich auch im Sinne des Herrn Bürgerm. Hahn für die Anschaffung einer solchen Maschine aus. Der Vorsitzende Herr Direktor empfahl einen genossenschaftl. Bezug einer Centrifuge, also einer besseren. Braun in Berlin sei eine empfehlenswerte Firma. Die mit Dampf und Göpel getriebenen Centrifugen seien sehr gut.
Es wurde beschlossen, dies Sache in die Hände der Lokalabteilung zu legen.
IV. Herr Bürgerm. Hahn sprach nun über eine Zuschrift vom Bürgermeisteramt Montjoie betreffend die Gefährlichkeit der am alten Wege Imgenbroich – Montjoie gelegenen Menzerather-Weiher. Es wurde zur Diskussion gestellt:
Abschaffen derselben oder Ausbessern? Ob Fischweiher? Ob Badeweiher?
Das Casino beschloß hiergegen eine Eingabe an Herrn Bürgerm. Hahn, von hier zu machen, bezweckend die Überbrückung eines gefährlichen Wassergrabens, auf dem nämlichen Wege, unmittelbar vor Montjoie gelegen.

V.   Der Herr Bürgermeister besprach nun noch einen Vorschlag des Ökonomierates D. Havenstein. In Cöln werde am 20. Dez. a.c. der Centralverein zusammen kommen. Die früheren Gaubezirke sollen in Zuchtbezirke, mit vorgeschriebenen Rindviehrassen, umgewandelt werden. Im anderen Falle sei kein Anteil an einer Prämieierung zu erwarten.

         a.       u.       s. 
Der Vorsitzende,   der Schriftführer,
Dettinger               Honold.