No. 10.

Verhandelt zu Imgenbruch d. 8. Jan 1882 in der Wohnung der Geschw. Strauch.
Der Vorsitzende eröffnete die heutigen Verhandlungen, indem er der Versammlung ein glückseliges Neujahr wünschte, für die bisher den Verhandlungen geschenkte rege Teilnahme und bewiesene Aufmerksamkeit dankte und zu fernerm fleißigen Ausharren resp. möglichen Anwendung des anerkannt Guten aufforderte.
Sodann wurde vom Präses vorgetragen:
I. Ueber Wiesendüngung.
Eine gute Wiese hat wesentlich darum einen so hohen Wert für den Landwirt, weil sie ihren Ertrag bietet, ohne erhebliche Kulturkosten zu verursachen. Wenn aber auch diese Kultur in der Regel nicht mit erheblichen Kosten verknüpft ist, so verlangt sie doch, wenn anders die Wiese ihren möglichst höchsten Ertrag abwerfen soll, mancherlei Arbeiten und von Zeit zu Zeit der Düngung.
Bei der Düngung der Wiese ist fast jedes Düngmittel anwendbar. Nur sollte man den Stallmist nicht leicht dazu hergeben, weil er sich auf dem Acker weit besser verwertet.
Die der Wiese mit Vorteil zuzuwendenden Düngmittel sind:
a.) Kompostdünger
Der Ackersmann soll nicht nur keine auf seinem Hofe oder Acker vorkommenden und am zweckmäßigsten zu Dünger zu verwendenden Bestandteile unbeachtet und unbenutzt lassen, sondern er soll sie auf die zweckentsprechenste Weise verwenden. Dahin gehören namentlich Abfälle auf dem Heuboden, Straßenkot, der Kehricht auf dem Hofe, Teichschlamm und Grabenauswurf, Unkraut und Wurzeln vom Acker und aus dem Garten, Bauschutt Sagemehl u.s.w., überhaupt alles, was der Fäulniß unterworfen ist. Diese Bestandteile nun sind untereinandergemengt auf einen Haufen zu bringen, durch Übergießen mit Jauche entsprechend feucht zu halten und öfters zu umstechen. Durch das Aufeinanderliegen in feuchtem Zustande geht das Ganze bald in Gährung über, und bildet nach Vollendung derselben einen ganz vorzüglichen Dünger, insbesondere für die Wiesen.
b.) Asche wird am besten im Frühjahre ausgestreut. Sie trägt zur Vertilgung mancher Unkraute und namentlich des Mooses bei.
c.) Jauche . Bei aufliegender Schneedecke kann sie am zweckmäßigsten aufgefahren werden.
d.) Wiesendünger (Kalidünger auch Kalimagnesia genannt.
In der Lokal. Abteilung von München Gladbach ist dieses Düngemittel schon seit einigen Jahren angewendet worden und der Sekr. des g Vereins schreibt darüber unter anderem folgendes:
Die mit dem Kalidünger angestellte Versuche sind überall so gut ausgefallen, daß es den Mitgliedern nur empfohlen werden kann. Es läßt sich auf Grund der bisher gesammelten Erfahrungen mit Bestimmtheit behaupten, daß durch rationelle Düngung ( 2 Centr. per Morgen) der Heu-Ertrag der meisten Wiesen in Qualität und Quantität auf das doppelte und dreifache steigern läßt. Auf jeden Fall ist die Kalidüngung ein sicheres Mittel zur Entfernung der Moose und der wenig nahrhaften Gräser, an deren Stelle sie eine kräftige, kleereiche und nahrhafte Grasnarbe hervorbringt, deren Verdaulichkeit und Schmackhaftigkeit durch ihren aus dem Kalidünger entnommenen Kochsalzgehalt noch wesentlich erhöht wird.
Die Aufbringung geschieht am besten im Januar.
In Folge des Vortrags wurden von den Vereinsmitgliedern sofort ca. 100 Centr. Kalidünger in Bestellung gegeben.
II. Saatgutbestellung.
Weil die Haferernte überhaupt und in den Gegenden, von woher das Saatgut bezogen wurde noch schlechter als hier ausgefallen ist, so wurde beschlossen in diesem Jahre den eigenen Samen zu säen.
Die Bestellungen auf Kleesamen werden bis zur nächsten Sitzung entgegen genommen.
III. Marktverlagerung
An den für die hiesigen Viehmärkte bestimmten Tage fallen auch meistens Viehmärkte in der Nähe, wobei ganz wahrscheinlich der Ruin derselben herbeigeführt worden ist. Die Versammlung hat daher den Vorstand des landw. Casinos beauftragt passendere Tage auszuwählen und die geeigneten Schritte zu thun die Erlaubniß zu der Verlegung zu erhalten.
Die nächste Sitzung ist auf den 5. Febr. in der Wohnung des Hrn. Gerh. Offermann anbraumt.

a.   u.   s.

der Sekr.                    der Vorsitzende
Ferber                         Kloeters