No. 9.

Verhandelt zu Imgenbruch d. 4. Dez. im hiesigen Casino.
Vortrag des Vorsitzenden über Pflege und Haltung des Rindviehes.
Gute Pflege sind halbes Futter, und: der Gerechte erbarmt sich seines Viehes. Es zeugt von einem rohen Gemüte oder von einem gedankenlosen Kopfe, wenn der Landmann es sich und Andern nicht zur strengsten Pflicht macht, seinem Vieh die sorgsamste Behandlung angedeihen zu lassen. Aber auch gegen seinen eigenen Nutzen handelt der Landmann, wenn durch seine Schuld seinem Vieh keine sorgfältige Pflege zukommt. Wenn auch das Rindvieh hinsichtlich seiner Reinlichkeit seine Ansprüche nicht sehr hoch erhebt, so sollte man es doch auch in dieser Hinsicht nicht zu sehr vernachlässigen, sondern es stets rein zu halten suchen von aller auffälligen Beschmutzung. Das Hauptsächlichste leistet hierbei eine gute Einstreu, welche die Tiere möglichst trocken erhält. Beseitigt man dabei täglich den Kot , der sich auch bei der sorglichsten Behandlung der Streu nicht selten ansetzt, und läßt wöchentlich einmal eine vollständige Reinigung mittelst Waschlappen, Striegel und Bürste eintreten, so ist dem billigen Verlangen der Tiere hinsichtlich der Reinlichkeit genügt. Wenn mehreres geschieht, so trägt das gewiß seinen Nutzen.
Der Stall muß so eingerichtet sein, daß er im Winter warm, und im Sommer entsprechend kühl gehalten werden kann. Zuglöcher dürfen in einem Stalle nicht fehlen, damit für die nötige Ventulation gesorgt werden kann. An Licht muß er wenigstens so viel zulassen, als zur Verrichtung der darin zu besorgenden Arbeiten erforderlich ist.
Zu enge zu und zu niedrige Ställe erschweren die Stallarbeiten und sind außerdem sehr ungesund. Der Stand des Viehes soll nach hinten etwas abdachen, aber auch nicht mehr als nötig ist, um die Jauche abfließen zu lassen.
Fütterung:
Die einfachste und bequemste Art, die Tiere zu füttern, wäre die, daß man ihnen jedesmal von dem vorhandenen Futter so viel vorlegte, als sie fressen mögen. Wer aber so bei der Fütterung des Rindviehes verfährt, wird den Zweck des Füttern nicht erreichen und das verabreichte Futter nicht verwertet finden. Die tägl. Futterportion soll man auf 3, so viel thunlich gleich weit voneinander liegenden Mahlzeiten verteilen und das auf jede Mahlzeit fallende Quantum wieder in 3 – 4 aufeinander folgende Portionen reichen.
Die folgende Portion darf nie vorgelegt werden, bis die vorher gegebene aufgegeßt ist.
Bei Trockenfütterung muß tägl. 2 mal getränkt werden, bei Grünfütterung oder wenn Brühfuttergereicht wird, genügt ein einmaliges Tränken. Reines, nicht zu kaltes und hartes Wasser ist die beste Tränke.
Die hauptsächlichste Winterfütterung besteht aus Heu und Stroh und als Beikost Wurzelwerk, Ölkuchen, Schrot & c.(für etc. ?) Das Wurzelwerk muß gut gereinigt und zerkleinert werden, Heu und Stroh wird meistens in Häcksel geschnitten, weil es dann leichter verträglich sind.
Um das Trockenfutter verdaulicher und schmackhafter zu machen, wird das Häcksel in einen Bottich gethan, mit kochendem Wasser durchnäßt und nachdem es so einige Stunden gestanden und eingeweicht ist, dem Vieh vorgesetzt.
Eben so gut als das Einweichen soll die Selbsterhitzung des Futters sein. Die Beikost wird mit diesem Futter gegeben.
Ein Zusatz von Salz macht das Futter schmackhafter und verdaulicher.
Schließlich wurde noch bemerkt, daß das Rind eine gewisse Masse im Magen haben muß, wenn die Verdauungswerkzeuge entsprechend thätig sein sollen. Wie aber Möhren, Rüben, Schlempe & c.(für etc. ?) als einziges Nahrungsmittel den Magen erschlaffen, so würden Heu und Stroh allein eine Ueberfüllung herbeiführen und ebenfalls nachteilig wirken.
Die nächste Versammlung soll am 8. Jan. 1882 in der Wohnung der Geschw. Strauch gehalten werden.

a.   u.   s.

der Sekr.                      der Vorsitzende
Ferber                          Kloeters