No. 8.

Verhandelt zu Imgenbruch in der Wohnung der Geschwister Weishaupt d. 6. Nov. 1881.
Die auf den 2. Okt. anberaumte Versammlung konnte, eingetretener Hindernisse wegen, erst heute gehalten werden.

I. Zunächst wurden Erkundigungen über die diesjährige Hafer und Kartoffelnernte eingeholt. Im Allgemeinen ist die diesjährige Haferernte eine sehr geringe gewesen.
Was nun aber insbesondere den neu eingeführten Probsteier Hafer anbelangt, so ist man mit dem Resultat gar nicht zufrieden und da auch von mehrern Landwirten die Behauptung aufgestellt wurde, daß er nur in günstigen Jahren hier zur richtigen Reife kommen würde, so wurde von ferneren Versuchen ganz abgesehen.
Die Kartoffelernte ist sowohl in Bezug der Quatität eine ziemlich gute und was die Qualität anbelangt eine sehr gute zu nennen.
Die hier gewöhnlich gebauten Kartoffelsorten ergeben per Morgen 60 – 80 Cntr. Dagegen die Sends ca. 120 Cntr. Diese Kartoffelsorte steht aber den heutigen in Wohlgeschmack nach.
Von den neu eingeführten Champion –Kartoffeln
 (lt. B. Hürtgen –S 169 – Champignon) ist der 20 – 25fache Ertrag erzielt worden und was den Wohlgeschmack angeht, so stehen sie den besten hier gezogenen Sorten nicht nach.

II. Fütterung des Rindviehs.
Der plötzliche Uebergang vom Grünfutter zum Trockenfutter hat häufig Nachteile gebracht. Daher soll der Landwirt, ehe das Grünfutter resp. die Weide ganz aufhört, schon nach und nach mit dem Winterfutter beginnen, damit wird den schädlichen Folgen des Futterwechsels vorgebeugt.
Eine gewöhnliche Kuh bedarf täglich 28 Pfd. gutes Heu resp. Heuwert. Da indeß bei den meisten Landleuten hierzu der Vorrat nicht reicht, so muß das fehlende durch sonstige Nahrungsmittel ersetzt werden. Saueres Heu hat nur die Hälfte Nahrungswert wie gutes und gutes Stroh steht zu Heu wie 3 : 5. Wird aus unzeitiger Sparsamkeit weniger als das oben angeführte Quantum verabreicht, so wird die Kuh keinen Nutzen geben, oder doch nicht den, den sie sonst geben würde. Eine bestimmte Menge Nahrung muß das Thier haben, um leben zu können und nur das Mehrfutter bringt den Nutzen.Wird aber endlich dem Rind noch weniger gegeben, als es zum Leben braucht, so wird es abmagern und endlich ganz zu Grunde gehen. Hat daher der Ackersmann mehr Vieh als er reichlich füttern kann und will er auch kein Futter kaufen, so muß er, wenn er rationell wirtschaften will, seine Viehheerde auf so viel Stück reduzieren, die er dann reichlich ernähren kann.
Die nächste Versammlung ist auf Sonntag, d. 4. Dez im hiesigen Casino anberaumt.

                        a.   u.  s.

Der Schriftführer,          Der Vorsitzende
Ferber                           Kloeters