No. 6.

Verhandelt zu Imgenbruch in der Wohnung des Wirten Gerh. Offermann am 10. Juli 1881.
Zur Besprechung kommen:
I. Das Heumachen.
Es wurde besonders darauf aufmerksam gemacht, daß die beßte Zeit des Mähens die Zeit der Grasblüte sei, in dem alsdann das Heu den größten quatitativen und auch qualitativen Wert habe. Wird später gemäht, so sind die krautartigen Teile der Pflanze holzig geworden und dem Vieh nicht mehr so nahrhaft und so verdaulich.
Ueber die Braunheu Bereitung, wie sie in England und in den nördl. Gegenden angewandt wird, wurde das Nöthige mitgetheilt, jedoch nur bei ungünstiger Witterung zur Anwendung empfohlen.
II. Viehversicherung
Die Vorteile einer lokalen Viehversicherung wurden besprochen und anerkannt. Zugleich wurde der Vorstand des Casino von der Versammlung beauftragt, Statuten zu dieser Viehversicherung zu entwerfen und sie dann in einer der nächsten Versammlungen zur Berathung resp. Feststellung vorzulegen.
III. Stierhaltung
Der Vorsitzende brachte die Mängel der heutigen Stierhaltung zur Sprache und betonte die Notwendigkeit des Zusammengehens in dieser für die Entwickelung unseres Rindviehschlages so überaus wichtigen Frage. Seinem Antrage gemäß wurde am Ende des Vortrages einstimmig der Beschluß gefaßt, die Stierhalterei in der Gemeinde durch das landw. Casino in die Hand zu nehmen und zu regeln.
Dem Vorstande des Casinos wird die Ermächtigung erteilt, wegen Beschaffung guter Zuchtstiere für das nächste Jahr schon sofort die weitern Maßnahmen zu treffen. Die gemeinschaftliche Stierhaltung soll vorläufig nach folgenden Grundsätzen unternommen werden:
a.) Auswahl und Ankauf der Stiere, deren Zahl einstweilen jährlich auf 2 bemessen wird, erfolgt durch den Vorstand des Vereins. Letzterer veranlaßt Bewerbungen unter den Privaten und die Abnahme der Stiere vom Casino, welches die Kaufpreise mit den Privaten durch seinen Vorstand wieder zu vereinbaren hat.
Es wird angenommen, daß die Vereinskasse hierdurch etwa entstehende Verluste in der Regel durch Beihülfen des landw. Centralvereines, der sonst bestehenden Wohlthätigkeitsvereine, oder schließlich durch Beihülfe der örtlichen Gde. Kasse wieder gedeckt werden.
b.) Der Vorstand schließt bei dem Verkauf der Stiere mit dem Ankäufer Contrakt, wonach selbiger für die gute Ernährung und Verpflegung der Stiere sich haftbar macht.
c.) Nur zuverlässigen, aufmerksamen Viehhaltern, welche durch ihre Wirtschaftsführung Interesse für die Viehzucht bekunden, darf die Stierhaltung übertragen werden.
d.) Der Casino-Vorstand bestimmt gleich in dem sub b. abzuschließenden Vertrage das jährlich zu erhebende Sprunggeld, welches so hoch zu bemessen ist, daß die gute Haltung und Pflege der Stiere ermöglicht und verbürgt wird.
e.) Sämmtliche Mitglieder des Casinos sind verpflichtet, um die Haltung anderer Bullen im Orte zu erschweren und die Konkurrenz in der Aufnahme der Genossenschaftsstiere zu beleben, ihr sämmtliches Vieh zum Decken nur bei den Vereinsstieren vorzuführen. Der Vorstand wird schließlich ermächtigt, eine Subvention zur nächstjährigen Anschaffung und guten dauernden Unterhaltung von Zuchtstieren behufs Verbesserung des einheimischen Stammes vom landw. Vereine zu erbitten, und wenn sie gewährt wird, das Casino zu verpflichten, die Stiere gut ernähren und verpflegen und gegen Feuersgefahr und Sterbefall versichern zu lassen, so wie dem landw. Vereine für Rheinpreußen die Controle über die richtige Innehaltung der eingegangenen Verpflichtungen einzuräumen und darüber diesem einen Revers auszustellen.
conf.(Abkürzung für confer = vergleiche ??) No. 5 der Zeitschrift des genannten Vereins v. J. 1881 Seite 85.
Die nächste Versammlung findet am Sonntag d. 7. Aug. im Saale des Hrn. Hauseur statt.

             v.   g.   u.
der Sekretär,  der Vorsitzende
Ferber             Kloeters